Bericht zur Warschau-Reise des RWV Frankfurt im April 2026
Text: Johannes Baron / Fotos: Dirk Jenders
Was fällt einem ein, wenn man an die polnische Hauptstadt Warschau denkt? Als uns der örtliche Reiseleiter Krzystof Janczewski am Flughafen abholt, gibt er uns eine mögliche und wie sich bald herausstellen soll auch eine zutreffende Antwort auf diese Frage: Warschau sei eine Stadt der Kontraste. Den ersten Kontrast liefert er dann auch gleich selbst, denn wir sollen ihn nicht Krzystof sondern Christoph nennen. Das sei für alle besser. Sein Lächeln, mit dem er das ausspricht, lässt schon zu Beginn unserer Reise aufscheinen, dass hinter seiner großen stadtgeschichtlichen Kompetenz auch viel Charme verborgen ist.
Mit 17 Personen ist unsere Gruppe recht kompakt. Zwei davon stoßen über den Reiseveranstalter aus Berlin zu uns Frankfurtern. Eine Bereicherung, wie sich bereits am Kennenlernabend herausstellt. Aus dem in den 1970er Jahren errichteten und aufwendig modernisierten Hotel „Victoria“ geht es in das nahe gelegene Restaurant „U Wienjawy“. Dort finden wir uns nicht in der Gegenwart, nicht in den 1970er Jahren, sondern in den 1920er Jahren wieder. Die Einrichtung ist entsprechend, und bereits ein kleines von uns gezeigtes Interesse an dieser macht eine Führung durch das ganze Haus möglich.
Überhaupt nehmen wir auch die übrigen Mahlzeiten in sehr guten Gaststätten mit jeweils eigener Atmosphäre ein: „Reina“, „Na Wieleńskiej“, „Burszty Nova“ und „Wilanów“. Da es hier jedoch nicht vorrangig um einen gastronomischen Bericht gehen kann, nur ein paar Hinweise dazu: Es ist stets von allen Speisen reichlich vorhanden. Es gibt immer eine Suppe. Und Polen ist ein Land des Biers. Liebhaber dieses Getränks können sich freuen.
Neben den in moderner Architektur gestalteten Vierteln, die zwischen dem Flughafen und unserem Hotel liegen, erstreckt sich unweit unserer Bleibe die Altstadt direkt am Ufer der Weichsel. Unser Reiseleiter unternimmt mit uns eine Stadtführung, die uns nicht unberührt lässt. Vermittelt wird der Kontrast von brutaler Zerstörung und großartigem Wiederaufbau. Fast alles von dem vielen, das wir sehen, ist neu erstanden aus Ruinen, die nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem aufgrund hasserfüllter Rache nach dem Aufstand der Warschauer von 1944 zurückblieben.
Die Zerstörung war das Werk von Deutschen. Können wir Deutsche uns das, was heute so wunderschön authentisch aussieht, aber doch neu errichtet werden musste, einfach mit Aahs und Oohs des Staunens, der Bewunderung anschauen? Jedenfalls begegnen uns keine Ressentiments. Hinweisschilder, wer die Weichsel-Metropole zu 85 Prozent zerstört hatte, fallen nicht auf. Selbst in dem aus Vernichtungswahn vollständig weggesprengten und unter schwierigen Bedingungen neu erbauten Königsschloss gibt es nur wenige alte schwarz-weiß Fotografien als Zeugnisse der deutschen Untat.
Insofern kann Warschau auch eine Stadt der Kontraste in Bezug auf die eigenen Gedanken und das reale Erleben sein. Wir lernen viel über das, was den Polen sehr wichtig ist, nämlich die eigene Geschichte inmitten von schwierigen Nachbarn. Nicht nur Deutsche aus dem Westen, auch Schweden aus dem Norden, Österreicher aus dem Süden und Russen aus dem Osten haben das Land in den vergangenen Jahrhunderten heimgesucht. Alle brachten Not und Elend. Aber es wurde auch Gutes hinterlassen. Wieder so ein Warschauer Kontrast. Nach dem Besuch der Altstadt mit dem Königsschloss und anderen Palästen, der Kathedrale und dem von Bürgerhäusern umsäumten Marktplatz bleibt letztlich dann doch ein gutes Gefühl: Versöhnung ist möglich.










